Rund 30 Interessierte haben an der Veranstaltung des Heimatvereins Goldene Mark e.V. auf dem Gelände der Landesgartenschau 2026 in Leinefelde teilgenommen. Dort standen die Ausgrabungen der mittelalterlichen Wüstung Kirrode und die historischen Hintergründe im Fokus.
Das Dorf Kirrode, südöstlich von Leinefelde, an der ehemaligen Heerstrasse von Beuren nach Mühlhausen und Nordhausen gelegen, wird bereits um 900 besiedelt gewesen sein. In einer Urkunde aus dem Jahr 1200 finden Dorf „villa Kirroda“ und Kirche erstmals Erwähnung. 1297 verkaufte Hugo von der Mark dem Kloster Teistungenburg verschiedene Güter. Unter den Zeugen sind Wigandus, der viceplebanus in Kirrode, die Stiftsherren zu Heiligenstadt, Ritter Konrad von Berlepsch und Konrad Arnoldi. Sie siegeln in Kirrode. Der Graf von der Mark kündigt schließlich aber sein Lehen und im Jahr 1300 verkaufte Heinrich G. Graf von Beichlingen mit Genehmigung seines Bruders Gunzel, des Propstes zu Halberstadt, seiner Gattin und seines Sohnes die „villa kyrrodt“ samt Zubehör – der „dasigen Kirche“, einem Fischteiche, einer Mühle an diesem Teiche, Wiesen, Weiden, Wälder, Hainen und Gebüsche, bebaute und unbebaute Äcker an den Abt Albert und sein Kloster Reifenstein für 9 Mark Silbers. (Vgl. Levin Freiherr von Winzingerode-Knorr, Die Wüstungen des Eichsfeldes 1903, S. 187f.)
Schließlich lies wohl eine Fehde zwischen dem Rat und dem Herzog (Otto cocles von Braunschweig) und denen von Hagen um 1428 das Dorf ausbrennen. Danach scheint es nach verlassen worden zu sein.
Um 1900 erwähnt ein Bericht noch die Ruine der Kirröder Kirche. Danach verschwindet das Dorf nahezu gänzlich. Erst in den 1970er Jahren werden erste Scherben gefunden. 2004 bringen mehrere Grabungen Gebäude und Straßenbebauung zu Tage. Aufschluss über handwerkliche Produktionsstätten geben etwa 640 Befunde aus den Jahren 2018-19. Von 2020-23 werden die Kirchen- und Friedhofsmauern, menschliche Überreste, 17 Grubenhäuser, drei Pfahlbauten und die Mühle freigelegt, außerdem weitere 700 Objekte entdeckt, die noch auf ihre zeitliche Einordnung und geschichtliche Auswertung warten. Schmuck, figürliche Gegenstände, Pilgerzeichen und Werkzeuge deuten auf ein reges, sich über mehrere Jahrhunderte entwickelndes dörfliches und handwerklich ausgerichtetes Geschehen hin. Reste von Töpferöfen lassen auf Keramikproduktion oder Gerberreste auf Lederverarbeitung schließen. Es existierte eine Schmiede zur Buntmetallverarbeitung. Die Reste der Schotterstrasse belegen, dass es Durchgangsverkehr nach Beuren, Heiligenstadt, ins Kloster Reifenstein und nach Beinrode gegeben hat.
Die fachgerechte Führung der beiden Archäologinnen Frau Eichentopf und Frau Lenz (Landesamt für Denkmalpflege Weimar), sowie von Dr. Leuckefeld über das Gelände war für die ca. 30 Teilnehmer äußerst interessant. Das Gelände der Wüstung muss ein stattliches Ausmaß gehabt haben, denn es wurde von einem fünf Meter starkem Wall umgeben, durch den mindestens ein Tor in das Dorf führte. Außerdem ergruben die Archäologen mehr als 20 Gebäude, Teile des Teiches, Grubenhäuser, die Kirche und die Mühle. Die erhöht gelegene Kirche ist wahrscheinlich im späten Mittelalter aufgrund von Überschwemmungen am nahegelegenen Hang abgerutscht, da z.B. Teile der Bleiverglasung und vieles andere am Fuß des Hanges gefunden wurde. Die Grundmauern der Kirche wurden gänzlich freigelegt, jedoch verwarf man diese Vorgabe in der Planung zur Landesgartenschau und legte Mauern an, die nicht ganz den Befunden entsprechen. Von den Ausgrabungen ist heute leider nichts mehr sichtbar. Alle „Grabungs-Fenster“ wurden verschlossen.
Der „Schatz unter der Erde“ ließe sich als Paradebeispiel auflegen, um die Strukturen eines mittelalterlichen Dorfes sehr umfassend zu analysieren.
Autorin: Sandra Kästner
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